Wanderung auf den Hirschenstein

Der Hirschenstein im Bayerischen Wald ist eines unserer Lieblingsziele. (Wobei ich bei den Menschen den Verdacht habe, dass neben dem Ausblick vom Gipfel v.a. die Einkehr am Schluss das Highlight ist.) Für uns Hunde bietet die Wanderung so einiges: gleich zu Beginn ein kleines Bächlein als Erfrischung, anschließend eine große Weide mit Schafen und Damwild, unterwegs viele interessante Fährten und Bekanntschaften …

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Aber der Reihe nach: wir starten unsere Tour in Rettenbach (nahe St. Englmar, nicht Rettenbach im Landkreis Cham) auf dem Wanderparkplatz neben dem Hotel Gut Schmelmerhof. Unterhalb des Hotels beginnt der Pfad auf den 1092 Meter hohen Hirschenstein. Ich bin ja der Ansicht, Wasser ist für Enten und ähnlich niederes Getier der richtige Aufenthalstort und ignoriere das kleine Bächlein neben dem Weg. Die meisten meiner Kumpel dagegen genießen die Erfrischung in vollen Zügen. Werde ich nie verstehen. Die – gut umzäunte – Weide mit Schafen und Damwild ist für uns alle ein Hingucker, klar. Wir haben den Zaun schon mehrmals ganz genau inspiziert (da muss es doch wenigstens ein terriergroßes Loch geben?!), aber leider: Fehlanzeige.

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Am Waldrand werden wir dann auch noch angeleint: da steht so ein Schild, sagen die Menschen. Zum Glück ist die Schleppleine lang genug, sodass man jede Spur ausgiebig verfolgen kann, aber mal so zum Spaß einen Hasen hetzen ist natürlich wieder nicht. Nervig. Immerhin sind wir nur auf abwechslungsreichen Waldwegen unterwegs, auf denen es genug zu sehen und schnüffeln gibt und nicht auf stinklangweiligen Forstraßen. Da sind sich meine Menschen und ich einig: “Waldautobahnen” nur, wenn’s unbedingt sein muss. Nach ca. 1-1,5 Stunden Aufstieg sind wir am Gipfel. Meine Menschen meckern schon wieder, weil es diesig ist. Bei schönem Wetter hat man hier einen weiten Ausblick über den Bayerischen Wald und sieht sogar die Alpenkette am Horizont, jammern sie. Mir egal. Bei feuchter Witterung riecht alles nur noch intensiver. 🙂

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Den Abstieg könnte man als Rundweg gestalten – ohne Hund sicher eine gute Idee. Wir gehen aber immer den gleichen Weg zurück. Auf der Alternativroute gibt es nämlich einen sehr großen Hofhund. Der ist der Ansicht, dass nicht nur der Hof, sondern auch der angrenzende Weg ihm und nur ihm gehört und patroulliert im Stechschritt auf und ab. Eine Begegnung mit diesem unangenehmen Zeitgenossen hat uns allen gereicht. Wir konnten zwar durch einen äußerst devoten – und vor allem rechtzeitigen – Rückzug unser Fell retten, aber auf ein nochmaliges Zusammentreffen ist keiner von uns scharf. Wir sind der Meinung: der Klügere gibt nach. Außerdem sind die Aussicht auf frisches Wasser (vielleicht benetze ich an einem heißen Tag ja doch mal meine Zungenspitze?) und Wildgehege keine schlechte Alternative.

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Die Menschen treibt die Vorfreude auf ein gutes bayerisches Mittagessen oder eine leckere Torte an. Bei mir heißt es immer “der hat ja nur eins im Kopf, so dermaßen verfressen wie der ist…” dabei sind sie keinen Deut besser. Den ganzen Abstieg überlegen sie schon, ob sie es rechtzeitig zu ihrem reservierten Tisch schaffen werden, ob man wohl draußen sitzen kann, was man essen wird und ob man sich noch einen Kuchen für daheim mitnimmt. Immerhin ist man hier auch als Hund gern gesehen: auf der Sonnenterrasse überall, im Restaurant in der “Floriansstube”. Eine kleine Brotzeit für mich ist auch eingepackt und so rolle ich mich einigermaßen satt (pappsatt bin ich nie) unter dem Tisch zusammen.

Extratipp: wer die Tour am Donnerstag plant, kann nachmittags noch frisches Brot aus dem Holzofen mitnehmen.

Naviadresse: Rettenbach 24, 94379 St. Englmar

Internet: http://www.gut-schmelmerhof.de