Sommer in Prag

Diesmal waren wir im Ausland – und das, wo wir gar nicht lange unterwegs waren. Ein Nickerchen im Auto, und schon waren wir da. Ich hab’ gleich gemerkt, dass da etwas anders ist, als bei uns daheim. Im Hotel am Empfang haben sie mich das erste Mal bestaunt. Das war ganz klar zu sehen, schließlich haben auch Menschen eine primitive Körpersprache. Aber statt dem Üblichen “so ein Hübscher, ist der aber süß, wie heißt er denn…” kamen nur unverständliche Laute. Das kenne ich aus dem Urlaub und aus meiner Welpenzeit. Die Menschen sprechen plötzlich ganz anders, wenn man ein Stück fährt. Aber egal, in Prag war man jedenfalls begeistert von mir. Das ging sogar so weit, dass eine fremde Frau meine Menschen gefragt hat, ob sie mich fotografieren darf. So ein Selfie, ihr kennt das sicher. Man schaut gemeinsam mit dem Menschen in ein handy und klick. Das macht den Zweibeinern immer total Spaß, also mache ich ihnen halt die Freude. Aber mit einer Fremden?! Na, sie war dann sehr nett, hat mich gestreichelt und so und gut gerochen hat sie auch. Also von mir aus. Meine Menschen meinten, ich werde jetzt in Japan berühmt – auch recht. Jedenfalls war die junge Frau total glücklich. Ist mir auch noch nicht passiert, sowas. Aber auch sonst hat es mir sehr in dieser Stadt gefallen. Alle waren extrem zuvorkommend – sowohl Zwei- als auch Vierbeiner, total gechillt. Hm, fast alle, aber davon später. Ich habe eine Menge neuer Eindrücke gesammelt und war abends immer fix und fertig. Ist schon anstrengend so ein Städtetrip, aber auch interessant. Was wir alles gesehen haben! Dazu diese Gerüche und die kulinarischen Köstlichkeiten – nicht schlecht. Die Zweibeiner waren ganz begeistert von  der Karlsbrücke. Die fand ich allerdings weniger spannend. Irgendwie auch zu viele Menschen dort. Viel besser war da schon der Rundgang durch die “Kleinseite”. Überall kleine Läden, dazwischen wieder ein Park – sehr schön. In den Geschäften haben mich wieder alle herzlich begrüßt und auf den Wegen kann unsereins immer wieder ein Stück von diesem köstlichen Gebäck finden. Menschen lassen ja beim Essen alles fallen und schlecken nie die Reste auf. So eine Verschwendung. Jedenfalls habe ich den “trdelnik” für mich entdeckt. Hat ziemlich lange gedauert, bis meine Menschen endlich auch kapiert hatten, wie gut das schmeckt. Sie haben dann einen frischen “trdelnik” für uns gekauft. Dieser Duft allein schon! Hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis sie endlich fertig waren und mir meinen Anteil gegeben haben. “Eigentlich ist das süße Zeug nichts für dich” meinten sie, bevor sie mir ein winziges Teilchen zusteckten. Aber selber die riesen Rolle verdrücken… Wir sind dann noch ewig durch die Stadt gelatscht, bis wir alle total ko waren. Dummerweise war das Hotel aber noch sehr weit weg. In der Stadt gibt es da immerhin etwas ganz Praktisches: dort fahren überall Züge durch die Straßen. Das ist schon toll: einsteigen und im Nu ist man wieder im Hotel.

Allerdings war es da drin sehr voll. So viele Menschen sind sogar mir zu viel, obwohl ich eigentlich Zweibeiner mag und die dort auch alle nett waren. Hat aber nicht lange gedauert, dann waren wir am Ziel, war schon ok. Was ich nur blöd fand, war dieses komisches Gitter, was ich ratz fatz wiedermal vor der Schnauze hatte, kurz bevor wir in die Bahn gestiegen sind. Hab mich schon oft gefragt, wozu das gut sein soll. Immer wenn wo richtig viel los ist – in den Bergen in der Gondel oder im Zug oder so – krieg ich das übergestülpt. Ob die meinen, dass ich damit noch besser aussehe? Keine Ahnung. Ich find’s jedenfalls ätzend. Immerhin haben sie das Teil draußen gleich wieder abgemacht und gemeint “sorry, aber ist halt leider Vorschrift”. Na, man muss nicht alles verstehen. Am nächsten Tag stand eine Bootsfahrt auf dem Programm.

Ich hatte schon befürchtet, dass ich wieder mit dem Korb auf der Nase unterwegs sein würde, aber ich hatte Glück. Ich fahre gern Boot. Ein kühles Lüftchen, sanftes Schaukeln, alle meine Menschen um mich rum … der perfekte Platz zum Dösen und Träumen. Irgendwas von tanzenden Häusern, Booten, die wie Schwäne aussehen und Burgen haben die Zweibeiner da erzählt. Oder habe ich das nur geträumt? Nach der Bootsfahrt gab’s ein Eis im Amorino. Sehr zu empfehlen sag’ ich euch! Bevor meine Zweibeiner irgendetwas vor sich hatten, kam schon eine nette junge Dame zu mir auf den Boden und servierte mir ein Schälchen kühles Wasser. Nach einer endlosen Wartezeit kredenzten meine Menschen mir dann endlich ihre Pappbecher. “Extrem lecker und noch dazu bio” hatten sie ständig geschwärmt, während ich vor meinem Wasser saß. Hmmm, sie hatten recht: Nuss und Vanille mit etwas Erdbeere – köstlich! Nach diesen Erfrischungen wollten wir in den einen oder anderen der bekannten Gärten in Prag. Boah, hab’ ich mich da geärgert: Überall sind wir nur bis zum Einganstor gekommen. Dahinter sah’s total schön aus, aber wir durften nicht rein. In den Wallenstein-Gärten wollten wir am Vorplatz warten, weil ein paar von den Zweibeinern dann allein reingegangen sind. Da kommt so ein Typ in Uniform und redet auf meinen Menschen ein. Ich hab kein Wort verstanden, mein Mensch zum Glück schon. Die beiden haben heftig diskutiere, aber am Ende standen wir doch auf der Straße. “Wenigstens entschuldigt hat sich der Typ von der Security” meinte mein Mensch. Mir wurscht, jedenfalls mussten wir dann auf der staubigen Straße rumstehen, nervig. Zum Glück war das meine einzige schlechte Erfahrung in Prag. Ansonsten, wie gesagt: sehr empfehlenswert für Vierbeiner. Gemeinsam sind wir noch durch die riesige Burganlage geschlendert und haben eine Klosteranlage besichtigt (natürlich durfte ich nirgends innen rein, aber das ist ja überall so). Hinter dem Kloster beginnt dann eine große Parkanlage, und wisst ihr was das Beste ist? Dort dürfen wir rein! Und nicht nur das: es gibt sogar Wiesen, auf denen wir ohne Leine flitzen dürfen. Für die Zweibeiner steht dort noch ein Minieiffelturm und ein Spiegelkabinett. Keine Ahnung, was das alles soll, aber in das Spiegelkabinett ist mein Lieblingsmensch rein, und ich musste mit jemand anderem aus unserer Gruppe draußen warten. Hab dann mal allen kundgetan, wie bescheuert ich das finde. Aber der Park war cool. Nach einem kleinen Spaziergang waren wir auch schon wieder im Kloster, wo die Menschen sich ein Abendessen gegönnt haben. Ich hab’ natürlich außer paar Keksen und einer Schale Wasser wieder nichts gekriegt. Mein Napf steht immer im Hotelzimmer. Der war dann auch gut gefüllt, nach so einem anstrengenden Tag. Meine Menschen meinten auf der Heimfahrt, das nächste Mal schauen wir uns in Prag den Zoo an. Der soll ganz toll sein, und ich darf auch mit. Find ich gut, ich mag Tiergärten.

Aber jetzt ist erstmal Sommer, Sonne, Hundeeis daheim angesagt.

Nach Prag sollte man unbedingt mitnehmen:

Den europäischen Heimtierausweis (mit aktueller Tollwutimpfung!) einen Maulkorb (für öffentliche Verkehrsmittel) und Kotbeutel (es gibt zwar hier und da “Hundeklos” aber nicht an jeder Ecke.

Unterkunft:

In Prag gibt es viele hundefreundliche Hotels sowohl mitten in der Innenstadt, als auch außerhalb. So sind z.B. in den AVE-Hotels Vierbeiner sehr willkommen.

Öffentliche Verkehrsmittel:

In der Straßen- und U-Bahn fahren Hunde kostenlos mit. Allerdings herrscht dort Maulkorbpflicht. Zwar halten sich nicht alle Tschechen daran, aber als Tourist ist man auf der sicheren Seite, wenn man wenigstens einen Maulkorb dabei hat. Auf den vielen Booten, mit denen man Rundfahrten auf der Moldau machen, Ausflüge unternehmen oder im Linienverkehr zum Zoo fahren kann, reicht es, wenn man einen Maulkorb dabei hat – für alle Fälle.

Leine, Maulkorb oder ganz “ohne”?

Im Stadtzentrum sind uns viele Hunde begegnet -alle trotz des Getümmels sehr entspannt. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass man die Vierbeiner hier anleint. Maulkörbe sahen wir nirgends. In den Parks (z.B. auf dem Petrin) gibt es zum Teil gekennzeichnete Freilaufflächen, dann wieder Grünflächen, die gar nicht mit Hund betreten werden dürfen oder Wiesen, auf denen der Hund angeleint sein muss. Einfach an den Hinweisschildern orientieren.

Essen und trinken:

Unsere Erfahrung: auch der Hund ist gern gesehener Gast. Das gilt bestimmt auch in Prag nicht überall, aber mit Sicherheit lässt sich für jeden Geschmack etwas finden. Von Noah getestet und für gut befunden:

Prazska Cokolada http://www.praguechocolatebistro.com/

Amorino http://www.amorino.com/de/boutique/prag.181.html

Klosterschänke und Restaurant auf dem Gelände des Klosters Strahov beide u.a. mit typisch tschechischen Gerichten.

Sightseeing:

Auf der Prager Burg, im Kloster Strahov und auf dem Petrin sind Hunde so gut wie überall erlaubt und gratis – mit Ausnahme der Innenräume und leider auch des “Goldenen Gäßchens”. Die Karlsbrücke ist nur etwas für Hunde, die mit Menschenmengen kein Problem haben. Alternativ kann man sehr früh morgens oder spät abends Glück haben, sodass dort etwas weniger Trubel herrscht. Im Zoo sind Hunde erlaubt, dürfen aber leider ausgerechnet hier nicht mit in die Restaurants.

Shopping:

Zumindest in den kleinen Läden mit Marionetten, Keramik und ähnlichem werden Hunde sogar freundlich begrüßt. Große internationale Ketten haben wir nicht getestet.