Herbst in Südtirol: mit dem Hund durch die Plimaschlucht zur Marteller Hütte

Ja, ihr habt richtig gelesen – diesmal melde ich mich aus Italien! Aus Südtirol, um genau zu sein. Auch wenn ich euch normalerweise tolle Tipps für Urlaub und Freizeit in meiner Wahlheimat Bayern gebe: man muss auch mal über den Tellerrand schauen, oder? Außerdem weiß ich ja, dass viele von euch mit ihren Menschen Urlaub dort machen. Während die Zweibeiner dann immer mit Wanderführern, Karten, Apps und allem möglichen anderen Kram ausgestattet sind, denkt kaum einer an uns. Gibt’s genug Badeplätze? Ist der Weg kulinarisch interessant? Darf Hund in die gemütliche Hütte mit? Ich hab’ diesmal ganz genau aufgepasst, und kann euch versprechen: eine spannende Tour auch für uns! Das geht schon am Parkplatz los: während die Menschen nach Geld kramen und irgendwas von Münzen und Parkgebühren erzählen, können wir gleich mal Bekanntschaft mit einem sehr netten Südtiroler machen: der Parkwächter-Hund arbeitet tagein, tagaus dort mit seinem Menschen und spaziert dabei ohne Leine und mit der Gelassenheit eines echten Profis ziwschen den Autos hin und her. Cooler Typ, echt. Nach ein paar Metern auf der Teerstraße und vorbei an einer Würstchenbude, an der meine Menschen steif und fest behaupteten, es gäbe dort “heiße Hunde” (nicht in Italien, oder?!) ging’s dann in die Natur. Gleich am Anfang wurde es richtig dreckig – “Moor” sagten die Menschen. Zwar waren da überall kleine Holzbrücken drüber, aber was soll ich sagen: Zweibeiner! Mit einem “huch” war mein Mensch bis zum Knöchel drin versumpft. Naja, die haben so wasserfeste Schuhe – am nächsten Bach war’s wieder weg. Mir passiert sowas natürlich nicht. Aber für die Liebhaber von Schlammkuren unter euch (ich weiß, das sind die meisten), kann ich nur sagen: DIE Gelegenheit, ein ausgiebiges Moorbad zu nehmen. Lasst es euch nicht entgehen! Die Holzbrücken, die ich oben erwähnt habe, sind echt easy. Ich habe zwar einen Kumpel, der in der Beziehung schlimmer ist als ein Esel, aber das ist angeblich typisch für seine Rasse. Für alle anderen: kein Thema. Danach geht’s bergauf, aber das ist auch für alle gesunden Flachlandtiroler problemlos zu schaffen. Zwischendurch liegen so eigenartige Konstruktionen am Weg. Von “Erlebnispunkten” haben meine Menschen gesprochen und dann irgendwas von “Kelle” oder “Panoramasichel” erzählt. Wirres Zeug, wenn ihr mich fragt. Wozu baut man denn Eisengitter und steile Metalltreppen in den Fels? Na, mir soll’s recht sein. Wir sind dort immer hingegangen, die Menschen haben sich über das Geländer gebeugt, und “diese Aussicht!” oder “geht’s da runter!” gerufen. Immerhin habe ich für Mut und Tapferkeit den einen oder anderen Keks bekommen “weil du so brav über die Gitter gegangen bist”. Hab’ ich mir auch verdient. Die Gitter sind nicht ohne, da kommt nicht jeder von uns drüber. Okay, ich will nicht zu sehr angeben, ich habe auch lang genug geübt. Als junger Kerl hab’ ich keine Kralle auf die Dinger gesetzt, doch mittlerweile vertraue ich meinen Menschen – wenn sie sagen, dass ich das schaffe, dann stimmt das auch. Aber keine Angst: ihr müsst nicht unbedingt auf den blöden Teilen rumlatschen. Ihr könnt auch davor warten, eure Menschen in aller Ruhe “ah!” und “oh!” rufen lassen und dann wieder ganz entspannt auf dem Wanderweg weitergehen. Sind ja nur Abstecher von der Hauptroute. Das gleiche gilt für die Hängebrücke – der letzte “Erlebnispunkt”. Mein Lieblingsmensch ist ja so kindisch. “Da muss ich rüber!” hat’s geheißen. Schwupps, saß ich auf dem Arm, und los ging’s. Also zum einen: man muss eben NICHT rüber. Auch hier kann man einfach die Menschen rumspinnen lassen – der Weg geht eigentlich an der Brücke vorbei. Für alle, die aber abkürzen wollen (über die Brücke kommt man schneller in die Zufallhütte): am Anfang der Brücke ist das Lochgitter so groß, dass das für meine eleganten schmalen Pfoten gefährlich geworden wäre, drum wurde ich da getragen. Den Rest bin ich natürlich alleine gegangen. Ist zwar schon komisch, wenn man da so über den Abgrund schwankt, aber ich kenne das von daheim. Nach diesen ganzen seltsamen Attraktionen kamen dann die wahren Highlights für uns: wenn der Wald zu Ende ist, kommt man auf eine herrliche Hochebene, die einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu bieten hat: aus den Gebirgsbächen habe ich mir das eine oder andere Schlückchen frisches Quellwasser gegönnt (obwohl ich außer Haus höchst selten trinke, aber hier hat sich’s gelohnt). Am Wegesrand sind mir Heidelbeeren (zumindest nannten meine Menschen diese süßen blauen Kugeln so) direkt in die Schnauze gewachsen. Köstlich! Aber das war noch nicht alles: knackig sonnengetrocknete Kuhfladen habe ich auch entdeckt und diese leckeren, schwarzen Kugeln mit dem herrlichen Schafsaroma probiert. Ein Genuss, sage ich euch! Man muss nur die Ohren wegklappen und sich nicht von dem ständigen “pfui, aus, nein” der Menschen den Appetit verderben lassen. Frisch gestärkt hab’ ich die letzte Etappe zur Marteller Hütte – eine kleine Klettertour – locker weggesteckt. Für alle Badefans unter euch (ich hasse das ja, aber ich weiß, wie scharf die meisten von euch auf sowas sind): unterhalb der Hütte ist ein netter kleiner See. Aber ich glaub’, der ist nur was für hartgesottene Huskys – sah a….kalt aus. Zurück ging’s – wie so oft – viel schneller als hin. Ratz fatz sind wir wieder runtergeklettert, und über die Hochebene gelaufen, dann kam aber nochmal was Aufregendes: ein riesiger Steinhaufen. “Alter Staudamm” sagten meine Menschen. Jedenfalls musste ich gut aufpassen, wo ich meine Pfoten hinsetze, damit ich nicht wo hängenbleib. Langsam hatte ich dann auch schon wieder richtig Lust auf mein gemütliches Hundebett und vorher natürlich noch auf einen riesen Napf voller Hausmannskost. Beides steht natürlich auch im Urlaub pünktlich für mich bereit.

Stilfser Joch Nationalpark mit Hund – Infos und Links:

Anfahrt: Von Schlanders kommend nach Goldrain und dort im ersten Kreisverkehr ins “Martelltal” (ist ausgeschildert). Diese Straße fährt man bis zum Talschluss (wo Parkplätze vorhanden sind) durch. Die Straße enthält zwar Kehren, ist aber geteert und gut befestigt, also problemlos zu fahren. Münzen für den Parkautomaten und Hundekotbeutel (Abfalleimer bei der Toilette am Parkplatz) nicht vergessen!

Im Stilfser-Joch-Nationalpark herrscht Leinenpflicht, an die man sich auch halten sollte, damit Hunde dort weiterhin willkommen sind. Das “Erlebnis Plimaschlucht” ist überall auf weinroten Schildern beworben. Man folgt zuerste der Teerstraße, vorbei an einer Würstchenbude, und lässt den Wanderweg zur “Enzianhütte” rechts liegen. Nach kurzer Zeit geht’s links weg von der Teerstraße zum Plima-Erlebnisweg, der auch gleich am Anfang gut beschrieben wird. Sollte man doch nach einer der Abstecher zu den Metallkonstruktionen die Orientierung verlieren: die Markierung 37 führt wieder auf den richtigen Hauptweg. Bei Erlebnis Nr. 4 kann man die Tour etwa um die Hälfte verkürzen, indem man über die Hängebrücke geht und so auf direktem Weg zur Zufall-Hütte gelangt. Möchte man hingegen nicht nur den Erlebnisweg gehen, sondern noch zur Marteller-Hütte (zusätzliche Gehzeit hin und zurück ca. 1h 45 min), dann biegt man vor der alten Staumauer auf den gut ausgeschilderten Weg ab. In der Marteller-Hütte gibt es einen eigenen Restaurant-Bereich für Mensch und Hund. Der Weg von der Marteller zur Zufall-Hütte ist gut ausgeschildert, und wenn man weiß, dass man die alte Staumauer queren muss, sind die einzelnen Ziele auch immer in Sichtweite. Von der Zufall-Hütte kommt man in ca. 30 Minuten wieder zum Parkplatz zurück. Für viele Hundebesitzer ein Thema: Kühe kann man im Sommer auf dem gesamten Weg antreffen. Allerdings ist Mitte September Alm-Abtrieb.

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